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Bescheidenheit als Mordmotiv
Cosmas und Damian - Patrone von
Stift und Stadt Essen
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"Weil sie kein Geld annahmen, wurden
sie enthauptet." Vielleicht ist diese Aussage einer Essener
Grundschülerin über Cosmas und Damian die kürzest mögliche
Lebensbeschreibung der Märtyrer überhaupt. Jedenfalls birgt dieser
Satz, so absurd er zunächst wirken mag, eigentlich schon eine Menge
Wahrheit. Geld nahmen die beiden Ärzte und Apotheker aus Kilikien in
Kleinasien bei der Anwendung ihrer Heilkunst aus christlicher
Überzeugung nicht an, was ihnen schnell den griechischen Beinamen
"anargyroi" ("die umsonst arbeiten") einbrachte.
Ihre Fähigkeit zu heilen führten sie auf das Wirken Gottes zurück, an
dem sie nicht profitieren wollten. Kein Wunder also, dass die Brüder
viele Nichtchristen bekehrten. Dies wiederum gefiel im ausgehenden 3.
Jahrhundert den römischen Machthabern überhaupt nicht, Bekehrung war
während der Christenverfolgung lebensgefährlich.
Die Überzeugungskraft der beiden Brüder
war offensichtlich sehr stark, und die mörderische Absicht ihrer
Verfolger entsprechend intensiv und konsequent. Jedenfalls entwickelte
sich nach dem Tod von Cosmas und Damian die Legende, dass die beiden
erst enthauptet wurden, nachdem Ertränken, Verbrennen, Durchlöchern
und Steinigen nicht zum tödlichen Ziel geführt hatte. Und es
entwickelte sich in den Jahrhunderten nach ihrem Tod eine weit
verbreitete Verehrung der Brüder, die um 850 auch Essen erreichte, als
der Stiftsgründer Altfrid Reliquien der Märtyrer aus Rom an die Berne
brachte.
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Cosmas und Damian
Südportal am Essener Dom |
| Noch heute weisen zahlreiche
Figuren und Abbildungen auf die Bedeutung von Cosmas und Damian hin, am
Dom und in der Schatzkammer natürlich, aber auch am Rathaus und an
Privathäusern.
Nach der Gründung des Damenstifts wurden
Cosmas und Damian dessen Schutzpatrone, später auch die der Stadt. Am
13. Juni 1041 gewährte König Heinrich III. auf Bitten der Äbtissin
Theophanu dem Stift das Recht, einen einwöchigen Jahrmarkt abzuhalten,
und zwar in der Woche um den 27. September, dem Festtag der Heiligen
Märtyrer. Der Termin lag außerordentlich günstig, weil in diesen
Zeitraum auch der Michaelstag (29. September) fiel, dem
Hauptabgabetermin für die Bauern, die zur Essener Grundherrschaft
gehörten. Reichlich Lebensmittel, Holz, Honig und sonstige Güter waren
bis zu diesem Tag an das Stift zu liefern. Das verstärkte den
Marktverkehr erheblich und brachte auch weitere wirtschaftliche Vorteile
für das Damenstift, durch Zoll und Marktstandgebühren etwa. Irgendwie
korrespondiert das nicht so ganz mit der Ausgangsbeschreibung der
Essener Stadtpatrone. Jedenfalls ist nicht anzunehmen, dass es auf
diesen Jahrmärkten zu Enthauptungen kam, nur weil irgendwer kein Geld
annehmen wollte.
(Martin Engelbrecht) |
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