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Eine Menge Holz
Ehrenzeller Markt

 

„Ehrenzell? Geschichte?“ Der Händler auf dem Ehrenzeller Markt in Essen-Altendorf zieht sich schützend hinter seine Zwiebeln und Knoblauchzehen zurück. Nein, da weiß er nichts von, aber er ist ja auch nicht von hier, sondern aus dem fernen Bottrop. Die junge Altendorferin beim Einkaufsbummel ist da für die Spurensuche schon ergiebiger. Ja, da war was. Einen Ehrenzelle Hof habe es irgendwie mal gegeben. „Aber das ist schon ewig her, achtzehnhundertdunnemals oder so.“ Die älteren Altendorfer könnten sich da „wahrscheinlich besser erinnern“. Ehrenzeller Markt - Foto: Engelbrecht

Ehrenzeller Markt
 

Foto: Engelbrecht

Siegfried Heiring

Der Markt scheint für den Blick in die Vergangenheit irgendwie nichts herzugeben, also ab in die Apotheke, die „Ehrenzeller Apotheke“ natürlich. Siegfried Heiring steht vor seinen Medikamenten-Regalen mit einem Gesichtsausdruck, als habe er das Wort ‚Ehrenzell’ noch nie gehört. Doch der Mann blufft, denn in Sekundenschnelle zaubert er einen dicken Aktenordner hervor, eine Fundgrube, aus der die Quelle der Geschichte sprudelt.

Um 800 entstand die Burg Ehrenzell, direkt am Hellweg, der berühmten Handelsstraße, die das Frankenreich mit Sachsen verband.  Urkundlich erwähnt wird der Oberhof Ehrenzell erstmals im Jahre 966. Damals, erzählen uns die „Altendorfer Geschichte(n)“ des örtlichen Werberings, zog sich Kaiser Otto der Große „die Spendierhosen an und machte seine Ehrenzeller Burg dem Essener Konvent zum Geschenk.“

Damit gehörte der Oberhof zum Grundbesitz des Damenstifts; und mit dem Oberhof natürlich auch die entsprechenden Unterhöfe Altendorf, Frohnhausen und Holsterhausen, die ihrerseits wieder aus mehreren einzelnen Höfen bestanden. Der Pachtzins der Bauern ging fortan nicht mehr an den Kaiser, sondern an das Essener Damenstift. Denare natürlich, aber auch Roggen, Gerste, Hafer, 100 Hühner pro Jahr und Holz, „schließlich sollten sich die frommen Damen nicht verkühlen.“  Allerdings, nicht nur warme Füße bei den Essener Stiftsdamen waren durch die kaiserliche Schenkung gewährleistet, „gesichert waren Bau und Erhaltung der Stiftsgebäude, die Ausstattung des Gottesdienstes, die Sorge für Arme und Kranke.“ Schriftlich festgehalten ist das alles erst in einem Register aus dem Jahre 1332, das übrigens 58 Güter und Kotten für den Oberhof Ehrenzell ausweist. Eine Menge Holz für den abteilichen Haushalt.

Um geografisch bei der Wahrheit zu bleiben: der Oberhof Ehrenzell lag nicht –ganz- dort, wo heute der Ehrenzeller Markt ist, sondern ein paar hundert Meter weiter südöstlich, an der heutigen Frohnhauser Straße, nahe der ehemaligen „Kruppschen Hauptverwaltung“. Die letzten Spuren der ehemaligen Burg Ehrenzell wurden an dieser Stelle erst Ende des 19. Jahrhunderts beseitigt, ein Fachwerk-Bauernhaus im westfälischen Stil, das „1880 unter der  Kruppschen Abrissbirne fiel.“

„Achtzehnhundertdunnemals“ ist also nicht der Anfang des Ehrenzeller Hofs, sondern sein Ende. Und selbst das ist schon –fast- ewig her. Da werden sich auch die ältesten Altendorfer nicht wirklich dran erinnern können.
(me)