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Ein Graf, ein Erzbischof und ein Mordmotiv in Essen

„Das schwirrt und klingelt durch den Wald,
Die Blätter stäuben von den Eichen,
Und über Arm und Schädel bald
Blutrote Rinnen tröpfeln, schleichen...“

Das, was Annette von Droste-Hülshoff da in einem Gedicht poetisch-schaurig beschreibt, war ein Gemetzel im Wald bei Gevelsberg. Tatzeit: Spätherbst 1225, „wie dämmerschaurig ist der Wald, an neblichten Novembertagen“, genau der 7. November. Prominentes Todesopfer des Hinterhalts war der Kölner Erzbischof Engelbert von Berg, fieser Täter der Graf Friedrich von Berg-Altena-Isenberg, oder kurz: der „Isenberger“, was eh schon ziemlich mittelalterlich und angsteinflößend klingt.

Fehlt natürlich noch das Motiv, und das ist zu einem ganz erheblichen Teil im Essener Damenstift zu finden. Da regierte nämlich zu dieser Zeit die Äbtissin Adelheid, Gräfin von Wildenberg, die reichlich Ärger mit dem Isenberger hatte. Graf Friedrich besaß nicht nur eine stolze Burg an der Ruhr, bei Hattingen, sondern war auch durch Erbschaft an das Amt des Vogtes von Essen gekommen. Eigentlich war es also seine Aufgabe, als Schutzmacht der Fürstäbtissin zur Seite zu stehen. Nur, der Isenberger selbst verstand das wohl etwas anders und nutze seine Stellung dazu aus, sich am Essener Damenstift ordentlich zu bereichern.

Foto: Engelbrecht
Erzbischof Engelbert von Köln
Büstenreliquiar, Domschatz Essen

Als die Essener schließlich kurz vor dem Ruin standen, sucht Äbtissin Adelheid wirklichen Schutz und bat den Kölner Erzbischof um Beistand gegen die Übergriffe des gräflichen Vogtes. Engelbert ließ sich nicht lange bitten, hatte bei seinem Einsatz aber nicht nur das Wohl der Essener Stiftsdamen im Auge. Die Kölner Erzbischöfe hatten in dieser Zeit ohnehin das Bestreben, mit den Vögten aufzuräumen, um die eigenen Machtbereiche zu erweitern. Zudem waren Graf Friedrich und Erzbischof Engelbert familiär verbunden, hauptsächlich durch Erbstreitigkeiten. Also alles andere als ein freundschaftliches Verhältnis.

Der Tathergang lässt sich auch in etwa rekonstruieren. Es ging nämlich –immerhin- nicht gleich an die Stichwaffen, sondern zunächst mal für drei Tage an den Verhandlungstisch, nach Soest. Ein lobenswerter, aber letztlich erfolgloser Versuch, noch eine friedliche Lösung zu finden.

Im Wald bei Gevelsberg lauerte dann der Isenberger mit seinen Leuten der rückreisenden Kölner Delegation  auf. „Blutrote Rinnen tröpfeln schleichen.“  Und unter krachenden Zweigen sank Erzbischof Engelbert von Köln erstochen zusammen, "wie ein gestellter Eber".

Tatfolgen gab es dann auch noch. Den jungen König Heinrich erreichte die Kunde von der Untat Friedrichs nämlich ausgerechnet bei seiner Hochzeit mit Margarete von Österreich in Nürnberg. Unter den fürstlichen Hochzeitsgästen brach eine -sagen wir- Diskussion darüber aus, ob der Isenberger des Mordes oder der Tötung im Handgemenge schuldig sei. Das ganze entwickelte sich in Windeseile zu einem wüsten Aufruhr, bei dem dann eine Treppe einstürzte und fast 50 Menschen unter sich begrub.

Und der Täter selbst? Der fiese Isenberger versuchte zwar noch zu fliehen, wurde aber in Lüttich gefasst und schließlich in Köln hingerichtet.

„Am Rabensteine unterm Rade,
Und überm Rade liegt ein Leib,
An dem sich weiden Kräh' und Made;
Zerbrochen ist sein Wappenschild,
Mit Trümmern seine Burg gefüllt,
Die Seele steht bei Gottes Gnade.“

Annette von Droste-Hülshoff, „Der Tod des Erzbischofs Engelbert von Köln“. Schaurig, schaurig...
(me)