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Schätze
aus dem Klassenzimmer
Grundschüler
machen Stifts- und Stadtgeschichte lebendig
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Essen
feiert mit Geschichte. Und dass dabei auch die Essener Kinder ordentlich
mitmachen, verrät der ein oder andere Blick in ein Klassenzimmer.
In
der katholischen Grundschule an der Markscheide in Essen-Altendorf fühlt
man sich glatt um 1000 Jahre zurückversetzt. Der Raum der 4. Klasse hat
etwas von einer byzantinisch geprägten Goldschmiede. Den kostbaren
Einband des Theophanu-Evangeliars aus der Domschatzkammer hat jedes Kind
nachgebildet. Zugegeben, das ‚Goldblech’ bei den Schülerwerken ist
deutlich dünner als bei dem knapp 1000 Jahre alten Original, schließlich
haben die Mädchen und Jungen auch nicht die finanziellen Möglichkeiten,
wie die Äbtissin aus der ottonischen Kaiserfamilie. Auch die Technik
der Altendorfer Künstler entspricht nicht so ganz einer byzantinisch
beeinflussten Gold-Treibarbeit, aber man kann ja auch mit einer Häkelnadel
Bilder in Gold- oder Silberfolie ritzen. Es braucht eben vor allem eine
gute Idee, künstlerisches Geschick und –nicht zu übersehen- die
Liebe zum Detail.
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Kostbarer Bucheinband
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Das
alles gibt es auch ‚eins tiefer’, im dritten Schuljahr. Hier präsentieren
die Schülerinnen und Schüler ihre Nachbildungen des
Otto-Mathilden-Kreuzes und sind dabei sehr vorsichtig, immerhin sind die
Objekte so filigran wie die Vorlage. Modelliert haben die Kinder ihre
Kreuze aus einer Tonmasse, die Gemmen, Kameen und Edelsteine sind
aufgemalt. Ein gelungener und kostengünstiger Kniff, auf den bei über
20 Kreuzen wohl selbst Äbtissin Mathilde seinerzeit hätte zurückgreifen
müssen. |
Isabel und Kim stellen ihr Buch zur
Stifts- und Stadtgeschichte vor
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Stolz
sind sie, die kleinen Künstler aus Altendorf. Zu Recht, wie ihre
Kollegen aus der 4b der Herderschule in Essen-Frohnhausen auch. Die
waren allerdings literarisch tätig und haben ihre Erforschung der
Stifts- und Stadtgeschichte aufs Papier gebracht. Stilecht, auf
Pergament, wäre ihnen vielleicht lieber gewesen, aber vielleicht taten
ihnen doch die vielen Schäfchen leid, denen dazu die Haut hätte
abgezogen werden müssen. Allein an die zehn Schafe hätten Isabel und
Kim gebraucht, die Mädchen haben nämlich ein komplettes Buch
geschrieben. „Stift und Stadt Essen“ heißt der Schmöker, ist in
Goldfolie eingebunden und bietet in fünf Kapiteln eine wunderschöne
Darstellung der Essener Geschichte. Das Buch ist reich bebildert, zeugt
von Sachkenntnis und ist dennoch genüsslich zu lesen. Erschienen ist es
im ‚Selbstverlag’, die Auflage umfasst genau ein Exemplar. Das Buch
ist toll – und natürlich längst vergriffen.
(Martin Engelbrecht)
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