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Essen
seine Pappenheimer
Natürlich kennen wir sie, unsere
Pappenheimer, und das spätestens seit der Verbreitung von
“Wallensteins Tod”. In Schillers Drama sind die Pappenheimer einem
Gerücht auf der Spur und wollen von Wallenstein Aufklärung über den
Wahrheitsgehalt. Der so gelöcherte Feldherr quittiert die Neugier der Kürassiere
mit dem legendär gewordenen, “daran erkenn’ ich meine
Pappenheimer”. Die stammten übrigens aus Bayern, genauer aus dem Altmühltal.
Es ist durchaus anzunehmen, dass
zumindest einige der Gerüchte heischenden Pappenheimer gerade aus Essen
kamen, als sie in Sachsen auf Wallenstein trafen. Die Essener hatten nämlich
kurz zuvor auf eine ganz andere Weise ihre Pappenheimer kennen gelernt.
In dem ohnehin schon heillosen Durcheinander des 30-jährigen Krieges
hatten die Männer aus dem Altmühltal nämlich einen bleibenden und
nicht gerade freundlichen Eindruck an der Berne hinterlassen.
1630, die katholischen Spanier
waren gerade aus den rheinischen Gebieten weg, da zog ein evangelischer
Rat unter dem Schutz der holländischen Besatzung in das Essener Rathaus
ein. Maria Clara von Spaur und Vallier, Fürstäbtissin von Essen, hatte
sich sicherheitshalber ins katholische Köln zurückgezogen. Die Lage
zwischen den Fronten war mehr als brisant. Und im Jahr darauf kamen sie,
Gottfried Heinrich Graf zu Pappenheim und seine Mannen. Die katholischen
Pappenheimer waren auf dem Weg nach Holland, um dem evangelischen
Prinzen von Oranien die besetzte Festung in Maastricht wieder aus der
Hand zu reißen. Eine pappenheimsche Garnison von 17 Kompanien besetzte
während des Sommers 1631 Essen und führte hier ein offenbar recht rauhbeiniges Regiment. Für die Fürstäbtissin waren die Pappenheimer
allerdings Anlass genug, in ihr Stift zurück zu kehren, wähnte sie
doch Essen wieder fest in katholischer Hand.
Aber Maria Clara hatte sich zu
früh auf der sicheren Seite geglaubt. Der Zug gegen den Prinzen von
Oranien ging daneben, und das Hauptheer der Pappenheimer zog wieder ab,
nach Sachsen, zu Wallenstein eben. Es blieb allerdings noch eine
stattliche Truppe zurück, die dann am 17. September 1631 die Essener Fürstäbtissin
wieder nach Köln geleitete. Maria Clara betrat den Essener Boden nie
mehr. Die Essener Bürger waren dagegen recht froh, ihre Pappenheimer
wieder los zu sein, denn die hatten während ihres Aufenthalts die “Bürger
elendig geplagt”, und zwar mit “Fressen, Saufen und Gelderpressen”.
Dass die Pappenheimer auch
deshalb eine gewisse Berühmtheit erlangten, weil deren Knechte bei den
mittelalterlichen Reichstagen in Nürnberg für die Reinigung der
Abort-Gruben zuständig waren, ist eine andere Geschichte, die wir nicht
noch mit später Häme überkübeln wollen. Wir wollen auch den
Pappenheimern nicht nach 370 Jahren ihre Gelage und Erpressungen in
Essen nachtragen. Nein, da bedanken wir uns lieber nachträglich für
den sicheren Geleitschutz unserer Fürstäbtissin und schicken zudem
einen herzlichen Glückwunsch ins Altmühltal; Pappenheim feiert nämlich
auch Jubiläum, 1200 Jahre sogar. 50 Jahre mehr als Essen, das wollen
wir ihnen gerne glauben. Obwohl, wer kennt schon wirklich seine
Pappenheimer?
(Martin
Engelbrecht) |