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Noch runder geht kein Jubiläum
Äbtissin Sophia vor 1000 Jahren benediziert Es gibt in Essen ja einiges an Jubiläen zu feiern, in diesem Jahr. 1150 Jahre Stift und Stadt Essen, 350 Jahre BMV-Schule, die Essener Uni feiert ebenso wie die Stadtbibliothek, die Folkwang-Hochschule oder das Europahaus. Dabei hat es fast den Anschein, als würde ein sehr rundes Jubiläum vom Strom der Historie über die Berne hinweggespült. Hauptperson in dieser bislang unbeachteten Geschichte ist die Äbtissin Sophia, Tochter Kaiser Ottos II. und der Kaiserin Theophanu. Nach dem Tod der Essener Äbtissin Mathilde, einer Enkelin Ottos des Großen, übernahm Sophia von 1012 bis 1039 die Leitung des Stiftes in Essen. Vor genau 1000 Jahren, am 10. August 1002, empfing Sophia im Paderborner Dom ihre Benediktion durch den Mainzer Erzbischof Willigis, noch runder geht ein Jubiläum ja wohl nicht mehr. Die Information verdanken wir der berühmten "Chronik" des Thietmar von Merseburg und wir dürfen uns sicher vorstellen, dass Sophia aus den Händen des Mainzer Erzbischofs Ring und Äbtissinnenstab entgegennahm. Bis hierhin ist alles wahr, aber trotzdem noch nicht so ganz ehrlich. Schon hinter den Jahreszahlen scheint sich Widerspruch zu regen. Höchste Zeit, die Bedeutung des runden Jubiläums zu relativieren. Aber nur ein bischen. Schon die Benediktion Sophias in Paderborn war nur ein Nebenakt. Anlaß der Feierlichkeiten war vielmehr die Krönung der heiligen Kunigunde, der Frau des neuen Königs und späteren Kaisers Heinrich II. Aber da der Mainzer Erzbischof und die kaiserliche Familie schon einmal zusammen waren, bot sich die Benediktion im Rahmen der Krönungsfeier wohl an. Benediziert wurde Sophia dann auch nicht als Äbtissin von Essen, das war sie auch zu diesem Zeitpunkt längst noch nicht, sondern als Äbtissin von Gandersheim. Und es kommt noch schlimmer: man muß der Geschichtsforschung einfach glauben, dass es solche Benediktionen für Essener Äbtissinnen überhaupt nie gegeben hat. Im Stift an der Berne lief die Einführung einer Äbtissin deutlich profaner ab. Erst wenn die päpstliche Bestätigung für eine neu gewählte Äbtissin vorlag, konnte diese von ihrem Stift ‚Besitz ergreifen'. Vor einem Vertreter des Papstes legte die Äbtissin dann den Gehorsams- und Treueeid ab, und zwar in ihren Privatgemächern. Erst dann ging es in die Stiftskirche, wo die neue Leiterin des Damenstiftes auch das Glaubensbekenntnis ablegte. Ring und Stab hat es für die Essener Äbtissin nie gegeben, dafür aber einen Schlüssel als Symbol für die Gewalt über das Stift. Die Blütezeit des Essener Damenstiftes
fällt eindeutig in die Zeit um 1000, die Zeit der Äbtissinnen aus dem
ottonischen Kaiserhaus, Mathilde, Sophia und Theophanu. Dass dabei
Sophia die wenigsten Spuren hinterlassen hat, steht wohl außer Zweifel.
Aber es sieht so aus, als sei sie die einzige Äbtissin von Essen
gewesen, die mit Ring und Äbtissinnenstab ausgestattet wurde, am 10.
August 1002, vor ganz genau 1000 Jahren. Das ist so rund, das schreit
nach einer Jubelfeier. |