| Die Marmorsäule im Ostchor des Essener
Doms hat einen Riß, und daran soll nach einer Sage der Teufel
persönlich Schuld sein. Aber, was heißt schon 'eine Sage', es gibt von
dieser Geschichte gleich mehrere Fassungen.
Eine davon erzählt, dass die Essener
Äbtissin Ida (965 - 971) diese Säule in Rom entdeckte und sie gerne
für die Stiftskirche in Essen haben wollte. Der Papst schenkte Ida die
Marmorsäule, aber es ergab sich natürlich eine Transportproblem. Wie
ließ sich das tonnenschwere Objekt über die Alpen bringen?
Da bot sich der Teufel an, die Säule
nach Essen zu tragen, bis zum Ave-Läuten des folgenden
Dreikönigs-Tages. Als Gegenleistung forderte der Teufel die Seele der
Äbtissin.
Ida ließ sich zögernd auf diesen Handel
ein und reiste zurück vom Tiber an die Ruhr. Dort angekommen erzählte
sie den Essener Stiftsdamen von ihrem Handel mit dem Teufel. Natürlich
waren alle entsetzt und suchten nach einer Lösung. Und die Essener
Stiftsdamen fanden auch eine. Am Morgen des Dreikönigs-Tages ließen
sie zehn Minuten früher die Glocken läuten, als üblich. Der Teufel,
mit der Säule unter dem Arm, kam zwar eigentlich pünktlich, wähnte
sich aber zu spät. Vor Wut -ihm schien die Abmachung gebrochen und die
Seele der Äbtissin verloren zu sein- warf er die Säule mit Wucht vor
die Stiftskirche. Und dabei zerbrach das antike Stück.
Die Sage -in welcher Fassung auch immer-
ist noch relativ jung und erst im 20. Jahrhundert verbreitet worden. Der
Riß in der Säule ist -bezogen auf die Stiftsgeschichte- auch nicht
viele älter. Im 19. Jahrhundert erst wurde die bis dahin
unversehrte Säule vorübergehend aus der Münsterkirche entfernt und
dabei zerbrochen.
Gestiftet wurde die Säule aber wohl
tatsächlich von Äbtissin Ida, ohne jeden teuflischen Einfluß. Und
auch heute noch -oder wieder- trägt diese Säule ein Kreuz.
(Martin Engelbrecht) |
Teufelssäule
im Essener Dom |