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Ein Extra-Törchen zur Äbtissin

Wie gut, dass es Übersetzungen gibt. Zum Beispiel jene aus dem 15. Jahrhundert,  die in niederdeutscher Sprache eine lateinisch verfasste Urkunde aus dem Jahre 1244 wiedergibt. Gut ist das schon deshalb, weil das lateinische Original verloren gegangen ist, und so erfahren wir wenigstens noch aus der Übersetzung, dass die Bürger von Essen eben 1244 vereinbarten, ihr Städtchen zu befestigen, zu Ehren der Jungfrau Maria und der Stiftspatrone Cosmas und Damian. 

Natürlich gab es im Vorfeld des Baus einiges zu klären. Eine Regelung für mögliche Streitigkeiten war zu treffen und bei den zu erwartenden Entschädigungsansprüchen wegen Landenteignung wollte man vorab schon die Abwicklung geregelt wissen. Zudem klärten die Essener weitsichtig im Vorfeld, wer unter welchen Bedingungen zum Wachdienst herangezogen werden durfte.  

Und dann erst begannen die Essener zu bauen und zogen um ihr gesamtes Städtchen einen Befestigungsring. Der war allerdings zunächst von einer eher schlichten Bauweise, offenbar nur ein hölzerner Palisadenzaun, aber immerhin. 

Das schützende Bauwerk verlief etwa dort, wo heute der Essener City-Ring zu finden ist und hatte eher die Form eines Eis. An vier Punkten richteten die Essener Tore ein, im Norden das Viehofer, im Osten das Steeler, im Süden das Kettwiger und im Westen das Limbecker Tor. Zu einem festen Mauerbau kam es dann erst 100 Jahre später, und im Laufe des 14. Jahrhunderts wurde ein richtiges Befestigungswerk ausgebaut, eine durchgehende Mauer mit mehreren Türmen und Vorposten an den Toren. 

1371 investierten dann die Essener auch in vier Donnerbüchsen, kurze Zeit später sogar in Verschlüsse für die Mündungsdeckel der Geschütze. Folgekosten entstanden natürlich, wie den Stadtrechnungen zu entnehmen ist, für Vorhängeschlösser, Schranken, Schlagbäume und die Sanierung zerfallener Türme.

Foto: Engelbrecht

Nachbildung des Steeler-Tors bei der
Diözesanwallfahrt 2000 des Ruhrbistums

Der Übersetzung sei Dank, es ist noch mehr überliefert. Im südöstlichen Viertel lag direkt am Rand der Stadt das Damenstift, und hier bildete die Burgmauer des fürstlichen Stiftes einen Teil der Befestigungsrings, ungefähr dort, wo heute die Schützenbahn verläuft und wo damals noch die Berne strömte und rauschte. Für diesen Teil der Mauer hatten die Essener ein fünftes Törchen vereinbart, das den ‚Dienstmannen’ der Äbtissin vorbehalten sein sollte. Nun waren diese Herren nicht etwa die Knechte der Stiftsdamen, sondern vielmehr die ritterlichen Ratgeber, Männer von Adel, die zum Teil auch hohe Ämter innehatten und deshalb einen unkomplizierten Zugang zum Stift brauchten.b

Diese Pforte legten die Essener an zwischen der Mühle und dem Teich der Äbtissin, gemäß der beurkundeten Vereinbarung „nicht schnöder als die anderen Pforten.“ Ziemlich glaubhaft ist überliefert, dass die Bürger des eingefriedeten Städtchens für dieses Törchen im Mittelalter einen eigenen Namen gefunden hatten, „Arslock“. Gut, dass man nicht alles übersetzen muß.
(Martin Engelbrecht)